Idris – Wiederbelebung eines frühen Unix-Clones
05.03.2026 , V1

Die Ideen, auf denen Unix basiert, beeinflussen seit Jahrzehnten die Entwicklung von Betriebssystemen. Neben neueren Systemen, die Unix nachempfinden, wie Minix oder Linux, existierten schon seit den späten 1970er-Jahren kommerzielle Unix-ähnliche Systeme wie Coherent, Venix und auch das Idris-System der Firma Whitesmiths.

Lange Zeit waren außer einer knappen Wikipedia-Seite nur wenige Informationen über das Idris-System verfügbar. Dies änderte sich im Jahr 2025, als ein Museumsbetreiber in Schweden ein skandinavisches Computersystem fand, das als Projekt eines Computerclubs entstand und mit Idris betrieben wurde. In Folge wurde durch eine internationale Kooperation auch die Idris-Version für Atari ST-Computer, die auch über eine Version des X10-Windowsystems verfügt, wiederentdeckt und erfolgreich zum Laufen gebracht.

Dieser Vortrag beschreibt die Ansätze zur Wiederbelebung von Idris durch Einsatz von Emulation auf verschiedenen Ebenen. Zudem gibt es einen Einblick in die Struktur von Idris auf Motorola 68k-basierten Systemen mit einem Fokus auf die speziellen Probleme der Realisierung von Unix auf Systemen ohne virtuelle Speicherverwaltung.


Links zum Vortrag:

Wikipedia-Seite zu Idris: https://en.wikipedia.org/wiki/Idris_(operating_system)

Diskussion zum PD68-System bei VCFED: https://forum.vcfed.org/index.php?threads/pd68-68000-based-vme-system-running-idris.1252893/

Idris für Atari ST: https://github.com/9nut/IDRIS-OS-for-Atari-ST

Tools für Idris 68k: https://codeberg.org/michaelengel/idris-tools

Michael Engel ist Professor an der Fakultät für Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik der Universität Bamberg und leitet dort den Lehrstuhl für Systemnahe Programmierung. Neben Arbeiten zu aktuellen Themen wie RISC V-Systeme, Virtualisierung und Speichersicherheit befasst er sich insbesondere mit alten Computersystemen mit einem Fokus auf Unix und verwandten Betriebssystemen.

Aktuell entsteht an seinem Lehrstuhl in Bamberg ein Vintage-Computing-Labor, in dem Studierende sich nicht nur zu Themen der Nutzung, Administration, Entwicklung, Wartung und Instandhaltung alter Computersysteme weiterbilden können, sondern insbesondere mit Fragestellungen der Emulation und physikalischen Nachbildung von Systemen, z.B. auf programmierbaren Logikbausteinen (FPGAs) befassen.